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Sloterdijk steht zu Sarrazin: "Ein Käfig voller Feiglinge"

Von: Hans Falcone (out.of@the.dark) [Profil]
Datum: 21.10.2009 21:17
Message-ID: <hbnmnn$cod$1@aioe.org>
Newsgroup: at.gesellschaft.politik
"Ein Käfig voller Feiglinge"
von Peter Sloterdijk

Der Philosoph Peter Sloterdijk wirft in der neuen Cicero-Ausgabe den Kritikern
des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin Opportunismus vor.
Cicero Online veröffentlicht vorab einige kritische Passagen.

"Denken wir an den entlarvenden Vorgang, der sich vor wenigen Wochen
anlässlich einiger kantiger Formulierungen des ehemaligen Berliner
Finanzsenators Thilo Sarrazin entwickelt hat: Weil er so unvorsichtig war, auf
die unleugbar vorhandende Integrationsscheu gewisser türkischer und arabischer
Milieus in Berlin hinzuweisen, ging die ganze Szene der deutschen
Berufsempörer auf die Barrikaden, um ihm zu signalisieren: Solche
Deutlichkeiten sind unerwünscht. Man möchte meinen, die deutsche Meinungs-
Besitzer-Szene habe sich in einen Käfig voller Feiglinge verwandelt, die gegen
jede Abweichung von den Käfigstandards keifen und hetzen. Sobald einmal ein
scharfes Wort aus einem anderen Narrenkäfig laut wird, bricht auf der Stelle
eine abgekartete Gruppendynamik los."

Selbst Bundesbank-Chef Axel Weber habe sich nach Sloterdijks Meinung von der
Epidemie des Opportunismus anstecken lassen:

"Auch die Leitung der Deutschen Bundesbank erweist sich gegen die Epidemie des
Opportunismus als nicht immun. Deren Chef, statt sich gelassen vor seinen
Kollegen zu stellen und zu sagen: Hört zu, Freunde von hier und von anderswo,
in einer Welt, wo die freie Rede zu den höchsten Gütern zählt ist, muss man
Zuspitzungen aushalten können, wie sie zuweilen aus dem Munde unseres
scharfzüngigen Mitarbeiters kommen - statt also irgendetwas Souveränes,
Aufheiterndes, gut Ventiliertes zu sagen, spricht sogar Axel Weber, ansonsten
wohl ein respektabler Mann, die allgemein erwartete Sklavensprache und deutet
an, es wäre für das Ansehen seines Hauses besser, der überdeutliche
Mitarbeiter zöge berufliche Konsequenzen."

Das ganze Sloterdijk-Manifest mit dem Titel "Aufbruch der Leistungsträger -
Zeitdiagnostische Bemerkungen" finden sie in der ab morgen erhältlichen
November-Ausgabe.

http://www.cicero.de/97.php?ress_id=6&itemC86

Interessant, dass ein Freigeist wie er, dem man alles andere als
rechtsextreme Tendenzen unterstellen könnte, von einer deutschen
"Meinungs-Besitzer-Szene" spricht.





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