Ein Burschi kommt selten allein ...
Von: Alois Unverdorben (alois.unverdorben@gmail.com) [Profil]
Datum: 25.10.2009 09:35
Message-ID: <op.u2cktylhbaxas0@unverdorben-pc>
Newsgroup: at.gesellschaft.politik
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Ein Burschi kommt selten allein ... ... in der neuen ÖH-Broschüre über Rechtsextremismus an der Uni Es ist nicht so, dass ein Mangel an Rechtsextremismus-Broschüren vorherrschen würde: SJ, KPÖ, AK, diverse Antifa-Gruppen und auch das Innenministerium fungieren immer wieder als HerausgeberInnen von Beiträgen zum Thema „Alte und Neue Nazis“ und deren Umfeld. Eine neue umfangreiche Broschüre der Österreichischen HochschülerInnenschaft („Völkische Verbindungen. Beiträge zum deutschnationalen Korporationsunwesen in Österreich“) befasst sich nun vor allem mit Rechtsextremismus im akademischen Bereich. Eine aktuelle und qualitätsvolle Auseinandersetzung mit diesem Thema war längst notwendig, nachdem die letzte Veröffentlichung der ÖH („Rechtsextremismus an Österreichs Universitäten“) von 1996 datiert und sich seitdem doch einiges getan hat. Der umkämpfte Siegfriedskopf etwa wurde 2006 von der Aula in den Innenhof der Wiener Hauptuni verpflanzt und mit salbungsvoll historisierenden Worten versehen, während bei der Neugestaltung der Aula neben Opfern des Nationalsozialismus auch dem vormaligen Mitarbeiter im „rassenpolitischen Amt“ der NSDAP Konrad Lorenz ein Plätzchen zum Gedenken eingeräumt wurde. Korporierte Gestalten kamen unter Schwarz-Blau(/Orange) zu Universitätsratsehren, Regierungsämtern und hohen Wirtschaftsposten, mit Martin Graf bekleidet nun – von FPÖ, BZÖ, ÖVP und SPÖ gewählt – ein „Olympe“ gar das Amt des dritten Nationalratspräsidenten. Aktuell sitzen nach den rechten Wahlerfolgen von 2008 insgesamt 12 deutschnational Korporierte für die FPÖ im österreichischen Parlament, dazu kommen Stadler für das BZÖ und Bartenstein für die ÖVP. Immerhin: Dem Treffen am Ulrichsberg wurde heuer – nach „spürbaren Turbulenzen“, also nachdem bekannt wurde, dass Obmann Ressenig NS-Devotionalien im Internet angeboten haben soll – die Unterstützung des Bundesheeres verweigert und schlieÃźlich musste es abgesagt werden. Die Ulrichsberggemeinschaft weist in ihrer Funktionärsriege traditionell „Alte Herren“ auf, wie in der ÖH-Broschüre nachgelesen werden kann, darunter Peter Mussi (pcB! Tauriska Klagenfurt) oder Herbert Haupt (aL! Kärnten zu Wien). Jörg Haider (aJ!/aB! Silvania Wien) fungierte mehrmals als Hauptredner und gewährte der Veranstaltung jahrelang seinen „Ehrenschutz“. Die FPÖ Kärnten (ja, die gibt’s auch noch) kündigt für den 20.9. nun übrigens ersatzweise eine „Kranzniederlegung mit einigen Freunden“ am U-Berg an. Engelbert Tautscher, geschäftsführender Präsident der Ulrichsberggemeinschaft, lehnt das als Provokation ab: „Wenn es Demos gibt, sind wir nicht verantwortlich. Den Kranz lassen wir entfernen.“ (Zu den Hintergründen des speziellen Kärntner Wahnsinns gibt es auch die neue Broschüre „Antifaschistische Aktionstage. Ulrichsberg wegpusten! Textsammlung des AK gegen den kärntner Konsens 2009“, zu bestellen bei der GAJ, 1070, Lindengasse 40) So hat sich, wie in „Völkische Verbindungen“ nachgelesen werden kann, in den letzten Jahren einiges zum Schlimmeren und weniges zum Besseren verändert, anderes ist hingegen gleich geblieben: Immer noch lautet die Adresse der Wiener Hauptuniversität „Dr.-Karl-Lueger-Ring“, immer noch „bummeln“ dort mittwochs an der Rampe die Burschis, immer noch stehen sie für völkischen Nationalismus, NS-Verherrlichung und Holocaust-Leugnung. Und auch heute noch kann Rechtsextremismus im akademischen Bereich leider nicht als Randphänomen gesehen werden. Die antiburschenschaftlichen Beiträge der diversen AutorInnen der ÖH-Publikation befassen sich ausführlich mit dem Geschichtsbild der Burschis sowie mit den Verstrickungen der Korporierten in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Ein eigener Abschnitt befasst sich mit dem Männerbund und seinem Frauenbild, aber auch selbstkritisch mit dem Verhältnis des Männerbundbegriffs zu linksradikaler Kritik und Praxis sowie mit dem Paradoxon von „Mädelschaften“, die sich männerbündisch (?) organisieren. Zum Abschluss wird ein gleichzeitig erschreckender und erheiternder „Abgesang“ auf studentisches Liedgut als pädagogisches Instrument zur Einordnung des Individuums ins Kollektiv geboten. Die Auswahl der Themen zeigt, dass es sich hier eben nicht um die x-te Rechtsextremismusbroschüre handelt, die Altbekanntes aufwärmt und mit neuen Namen und Jahreszahlen garniert, obwohl diese natürlich auch nicht fehlen, denn am Ende gibt es nicht nur ein praktisches Glossar und Abkürzungsverzeichnis, sondern auch ein Personenverzeichnis, das zwar das wesentlich umfangreichere „Handbuch des Rechtsextremismus“ als Nachschlagwerk nicht ersetzen kann, aber doch vor allem ob der Aktualität interessant ist. ÖH Uni Wien (Hg.): Völkische Verbindungen. Beiträge zum deutschnationalen Korporationsunwesen in Österreich. Wien 2009, ISBN 978-3-200-01522-7 Unter http://www.burschenschaften.at/ kann die Broschüre als PDF heruntergeladen werden. Dort sollen in Zukunft auch aktuelle Infos zum Thema zu finden sein. online seit 23.09.2009 09:57:44 (Printausgabe 47) autorIn und feedback : Karin Lederer Quelle: http://www.malmoe.org/artikel/regieren/1908 -- ------------------------------------------------------------- Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und dient exklusiv Ihrer persönlichen Information. -------------------------------------------------------------[ Auf dieses Posting antworten ]
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- Robin Hood (26.10.2009 08:39)
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