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Re: Email Gültigkeit im rechtlichen Sinne

Von: Kurt Klauber (rampsus@shared-files.de) [Profil]
Datum: 28.06.2008 18:22
Message-ID: <nakc6492tn6d6r8i34qrqoaig45jem5rv9@4ax.com>
Newsgroup: at.gesellschaft.recht
On Sat, 28 Jun 2008 02:56:53 +0200, Bernhard Kuemel
<BernharD@bksys.at> wrote:

>Kurt Klauber wrote:
>>>>>> Werden Emails rechtlich anerkannt, z.B. bei Kündigungen
o.ä.?
>>>>>> Wenn man z.B. einen Mobiltelefonvertrag kündigt, dann
sollte es kein
>>>>>> Problem sein, dies auch rechtlich anzuerkennen, sofern der
Kunde
>>>>>> eindeutig erkennbar ist (z.B. durch Name, Anschrift,
Kundenkennwort,
>>>>>> etc.).
>
>> Die Frage ist: Wie kam der Täter an mein Kundenpasswort ... ?
>
>Ich bin davon ausgegangen, dass keine sicheren Protokolle verwendet
>werden. Nach Signaturgesetz unterschriebene emails gelten AFAIK
>rechtlich als Schriftform. Ob die akzeptiert werden muessen, bin ich
>aber nicht sicher. Was, wenn der Vertragspartner keine Moeglichkeit
>hat, die Echtheit der Unterschrift zu pruefen.

Darum dreht sich ja der link im OP. Signaturen sind (momentan)
anscheinend nicht das wichtigste in solchen Sachen, sondern der
eindeutige Vertragswille. Deswegen die ursprüngliche Frage dazu.

>>> Oder vielleicht ein deutlicheres Beispiel: Wenn man ein Recht auf
>>> Akzeptanz unsicherer emails haette, koennte X per email das Konto
>>> von A leerraeumen. Die Bank kann ja nicht pruefen, ob die email echt
>>> ist. Die logische Folge: Die Vertragspartner haben die Freiheit, zu
>>> entscheiden, ob sie unsichere emails akzeptieren.
>>
>> Kontoaktivität != Mobiltelefonaktivität
>
>Worin liegt hier rechtlich der Unterschied? Wenn's beim Konto keinen
>rechtlichen Anspruch auf emails gibt, gibt's ihn auch nicht fuer
>Mobilfunk.

Nun, ich persönlich sehe Bankaktivitäten als _wesentlich_ heikler an,
als beim Mobiltelefon.
Beim telefon können's dir schlimmstenfalls die Verbindung kappen. Ein
leeres Konto sehe ich da als ungleich schlimmer an ...

>> Es wird hoffentlich keine Bank geben, die auf ein Konto per Email
>> zugreifen läßt ... &)
>
>Was spricht dagegen? Solange sich der Kunde mit seinem
>Kundenkennwort eindeutig zu erkennen gibt. Falls es dann doch wer
>anderer (X) war, wird man sich natuerlich fragen, wie der an das
>Kennwort kam. Da gibt's z.B. phishing, Griechen (korrekte
>Bezeichnung fuer Trojaner) mit Keylogger, X koennte in den
>gesendeten emails eine fruehere mail mit dem Kennwort gefunden
>haben, jemand hat die email abgefangen, gleiches Kennwort bei
>verschiedenen Diensten, ... Ist beim Mobiltelefoniekennwort genauso
>moeglich.

Natürlich, keine Frage. Aber ich gewichte diese zwei Dienste eben
wesentlich unterschiedlicher.

>Ich hatte mir uebrigens schon oefter gewuenscht, Kontoaktivitaeten
>per PGP email machen zu koennen (als ich noch keine Standleitung
>hatte und laengere Onlinezeiten aus Kostengruenden vermeiden wollte).
>
>>> Bescheuert finde ich nur, wenn ein 200 dpi schwarz/weiss Fax
>>> akzeptiert wird, aber ein 24bit 600dpi Farbscan per email nicht.
>>> Naja, manche Unternehmen haben vielleicht noch keine Infrastruktur
>>> um emails mit Bildanhaengen zu verwalten. Die legen vielleicht noch
>>> Papierfaxe in Ordnern ab und tun sich schwer, Bilder ordentlich
>>> auszudrucken.
>>
>> Ich bin generell der Meinung, daß eine Email bloß ein besseres Fax
>> ist. Mit dem Unterschied (wenn man vorsichtig/paranoid genug ist), daß
>> eine Unterschrift auf einem gescantem/abfotografiertem Bild wesentlich
>> fälschungstauglicher ist, als das krakelige Ergebnis aus einem Fax,
>> dessen Toner vielleicht auch schon zu Neige geht.
>
>Solange Fax (sogar bevorzugt) akzeptiert wird, kann man deine
>Unterschrift auch aus einem Fax rauskopieren und missbrauchen.

Natürlich. Aber ein sauberer scan ist ommer noch unauffälliger als
eine zerbröselte Fax-Unterschrift.

>> Von daher würde ich mich hüten, eine Unterschrift per Email zu
>> schicken.
>
>Dann solltest du auch deine original Unterschrift auf Papier nicht
>weitergeben. Sonst kann sie auch gescannt und missbraucht werden.

Auch da hast du natürlich recht und in der Tat ist mir das auch
jedesmal sehr unangenehm.
Aber live vor Ort ist das doch ein wenig anders ...

>Dieses Rumgetue mit Unterschriften ist sowieso ueberbewertet. Banken
>pruefen z.B. die Unterschriften (bei kleinen Betraegen) bei
>Ueberweisungen nicht. Meine Oma hat mir mal 2000 S ueberweisen
>wollen und Absender und Empfaenger vertauscht und mit ihrer
>Unterschrift unterschrieben. Flutsch haben 2000 S auf meinem Konto
>gefehlt. Die PSK hat mir empfohlen, dass meine Oma mir 4000 S
>ueberweist, das waer am einfachsten. Ich hab damals nicht drauf
>bestanden, dass sie ihren Fehler korrigieren. Und erst vor Kurzem
>hab ich das selber mal probiert mit dem Konto einer Bekannten.

Eben, darauf will ich ja hinaus. Unterschriften sind nett, aber kein
Beweis, wenn kein Wille erkennbar ist.

>Neulich hab ich mich beim Ueberweisungsdienst von xe.com angemeldet.
>Die haben verlangt, dass ich ein Formular ausdrucke, unterschreibe,
>scanne und zurueckschicke. Zu umstaendlich. Ich hab meine vor Jahren
>gescannte Unterschrift mit transparentem Hintergrund reinkopiert.
>"Are you happy with my signature?" "Yes." "I have copied a
>previously scanned signature." "Ohh, sorry, we can not accept this.
>You have to do it again." Ok, hab meine Unterschrift aus dem
>Formular rausgeloescht (rechteckigen Bereich ausgeschnitten),
>gedruckt, unterschrieben, gescannt, abgeschickt. "Sorry, this is
>still not a handwritten signature." Jetzt sah es so aus, als haette
>ich eine gescannte Unterschrift mit rechteckigem deckendem
>Hintergrund eingefuegt. Haben die doch echt die "falsche"
>Unterschrift fuer eine echte gehalten und umgekehrt. Nach einer
>Erklaerung, warum das so aussieht, haben sie dann gemeint, sie
>koennen doch sehen, dass es echt ist.

Seeehr krasse Sache ... &)
Aber das zeigt nochmal, wie überbewertet das alles ist, wie du eben
schon sagtest.

>lg, Bernhard

Servus!

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