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Internet macht doof ...

Von: Peer Knörich (pjk01_nospam_@gmx.de) [Profil]
Datum: 16.01.2007 21:09
Message-ID: <eojbcq$ovu$1@aioe.org>
Followup-to: at.internet.sonstiges
Newsgroup: de.talk.tagesgeschehen de.soc.politik.misc de.comm.internet.misc at.internet.sonstiges
meint zumindest der Henryk M. Broder. Was meint ihr?

Das Internet und der Aufstieg alternativer Medien wie Blogs hat es möglich
gemacht, dass Meldungen und Meinungen nicht mehr so einfach kontrolliert
werden können wie früher. Der allseits beliebte Publizist
Henryk M. Broder
beschreibt diesen Urzustand der Massenmedien in einem Kommentar im
Tagesspiegel:

âPaul Sethe, einer der Herausgeber der âFrankfurter Allgemeinen
Zeitungâ (sagte vor etwa 20 Jahren): âPressefreiheit ist die Freiheit von
200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.â Sethe räsonierte
über eine
Klasse, der er selbst angehörte: Verleger und Chefredakteure, die
dafür
bezahlt werden, die Meinung ihrer Verleger zu verbreiten.â

Broder beschreibt dann auch weiter, wie eben das Internet diesen Zustand
geändert hat:

âHeute meldet (wer eine Meinung hat) eine âdomaineâ (sic) an und
nimmt
an den Debatten im âglobal villageâ teil.â

Doch während es für viele von uns ein Segen ist, dass wir
heute nicht mehr
ausschlieÃlich auf den guten Willen der erwähnten â200
reichen Leutenâ
angewiesen sind, scheint Broder nicht zu mögen, dass auch andere Meinungen
als die der 200 veröffentlicht werden:

ââJekamiâ, jeder kann mitmachen, so hieÃen die vielen
Amateurshows, als
es noch kein Internet gab und 200 Leute die Freiheit hatten, ihre Meinung
zu verbreiten. â Waren das schöne Zeiten.â

Was können Massenmedienmacher wohl gegen die Veröffentlichung
anderer
Meinungen haben? Sind sie sauer, weil der Bürger nun effektivere
Möglichkeiten hat, die Massenmedien zu kontrollieren? Sind sie
böse, weil
ihre Lügen viel besser entlarvt werden können? Oder weil es
nicht mehr so
viel nutzt, unliebsam kritische Meinungen auf einen nächtlichen Sendeplatz
zu verfrachten?

Broder macht ziemlich klar deutlich, dass das Internet der alten
Vorgehensweise der Presse âich höre nichts, ich sehe nichts, ich sage
nichtsâ einen Strich durch die Rechnung gemacht hat:

âDie Verschwörungstheorien, die nach dem 11. September 2001 in Umlauf
kamen, wären ohne das Internet über ein paar alternative
Kifferstuben und
Erste-Hilfe-Stationen für Verwirrte nicht hinausgekommen.â

Ohne das Internet gäbe es praktisch nur eine
Verschwörungstheorie, nämlich
die von den 19 afghanischen Höhlengräbern mit ihren
Teppichmessern. Die der
Polizei die ganze Arbeit abnehmen und alle nötigen Beweise für
ihre
Identität bereitwillig am Flughafen zurücklassen.

So aber gibt es noch eine Reihe weiterer Erklärungen der Ereignisse von
9/11, und der Bürger hat die Möglichkeit, für
sich selbst zu entscheiden,
welche er für die Wahrheit hält.

Und genau davor haben Broder und viele andere in den Schaltzentralen der
Medien Angst.

Broder versteckt seine Tirade gegen die Meinungsfreiheit hinter dem
Argument, wer denn diesen Informationsdschungel noch durchblicken soll:

âWenn jeder Mensch jederzeit seine Meinung äuÃern kann,
ohne einen FuÃ
vor seine Küche setzen zu müssen, dann löst
sich die Meinungsfreiheit in
Kakophonie auf. Kam es in einer vertikal organisierten Gesellschaft früher
darauf an, Durchlässigkeit und ein Ende der Privilegien zu fordern, geht es
heute in einer horizontal verfassten Gesellschaft darum, wieder Grenzen zu
ziehen, auf Abständen zu bestehen und qualitative Unterschiede zu
betonen.â

In der Tat ist das Internet voll von Unsinn, Fehl- und gezielter
Desinformation. Und in der Tat ist es nicht einfach, diese Vielfalt zu
ordnen. Doch die Massenmedien hatten ihre Chance. Sie haben in den âguten
alten Zeitenâ der Meinungsdiktatur durch die â200 reichen Leuteâ
die
Aufgabe gehabt, für uns zu ordnen. Sie haben sich damit aber zum Teil zu
den Vollstreckern der korruptesten Interessen gemacht, und damit ihre
Chance verspielt. Vielleicht wird es hart, den Dschungel zu ordnen, aber es
ist den Versuch wert.

q:politblog.net

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